Ist das noch Natur oder nur ein Hotelzimmer mit Zeltplane? Zelt aufbauen im strömenden Regen, eine harte Isomatte, die sich nachts in den Rücken bohrt, und lauwarmes Dosenfutter vom Gaskocher: Für die einen ist das der Inbegriff von Freiheit, für die anderen der blanke Horror. Genau hier setzt seit einiger Zeit ein Trend an, der die Campingplatz-Welt komplett auf den Kopf stellt: Glamping – die Wortschöpfung aus „Glamorous“ und „Camping“.

Heute boomt die Übernachtung im Luxus-Tipi mit Queensize-Bett, freistehender Badewanne und Highspeed-WLAN mitten im Wald. Doch schauen wir mal hinter die Kulissen dieses Hypes: Was ist das eigentlich genau? Ist das noch echtes Naturerlebnis oder einfach nur ein verdammt teures Hotelzimmer im Grünen?

Ein Hotelzimmer aus Stoff: Was ist Glamping wirklich?

Fragt man sich ganz nüchtern, was Glamping ausmacht, bleibt oft nicht viel vom klassischen Camping-Gefühl übrig. Es ist im Grunde ein voll ausgestattetes Luxus-Hotelzimmer, bei dem die Betonwände durch eine stylische Zeltplane oder eine Holzfassade ersetzt wurden. Man muss keine Heringe in den Boden schlagen, man friert nachts nicht und man teilt sich das Badezimmer nicht mit dem halben Campingplatz.

Das bringt uns zu der Frage: Warum begeistert dieser Hybrid plötzlich so viele Menschen, die früher niemals einen Fuß auf einen Campingplatz gesetzt hätten?

Woher kommt das Ganze und warum die plötzliche Begeisterung?
Die Wurzeln des Glampings liegen historisch eigentlich bei den afrikanischen Safaris des frühen 20. Jahrhunderts. Reiche Europäer und Amerikaner wollten die Wildnis erleben, aber keineswegs auf ihren gewohnten Luxus, Teppiche und Champagner verzichten.

Dass dieser Trend heute den Massenmarkt erobert, hat zwei Hauptgründe:

Die Sehnsucht nach Natur – aber bitte bequem: Der moderne Stadtmensch sehnt sich nach Ruhe, Waldluft und dem Blick in die Sterne, um dem stressigen Alltag zu entfliehen. Gleichzeitig sind wir durch den gewohnten Komfort so verwöhnt, dass Rückenschmerzen auf der Luftmatratze und der Gang zum Gemeinschaftsklo im Pyjama für viele keine Erholung, sondern Stress bedeuten. Glamping löst diesen Widerspruch.

Die perfekte Inszenierung (Das Instagram-Phänomen): Ein normales, grünes Wurfzelt sieht auf Social Media langweilig aus. Eine freistehende Badewanne vor einer transparenten Zeltkuppel im Wald hingegen ist der absolute Klick-Garant. Glamping bedient den Wunsch, das „einfache Leben“ zu inszenieren, ohne es tatsächlich ertragen zu müssen.

Wo der Genuss aufhört: Die Kritik am Luxus-Zelt

Glamping ist eine wunderbare Erfindung für alle, die das Grüne lieben, aber eine weiche Matratze brauchen. Doch das Ganze hat eine Kehrseite. Wenn die Wildnis komplett zubetoniert wird, um Luxus-Infrastruktur, Stromleitungen und Whirlpools in den Wald zu bauen, verliert das Ganze seine Seele.

Wer im Luxus-Zelt sitzt, die Klimaanlage aufdreht und Serien streamt, wechselt nur die Kulisse, bricht aber nicht aus seinen Mustern aus. Das echte Abenteuer des Campings – das Reduzieren auf das Wesentliche, das Meistern von kleinen Hürden und das echte Abschalten – geht beim Glamping komplett verloren. Am Ende ist es eben doch vor allem eines: Ein Hotelurlaub, der sich nur als Abenteuer verkleidet hat.

Beitrag: Günter Wolfgang

Themen: Glamping Trend Urlaub

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