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Dauerkritik am ORF: Wenn das Prinzip Empörung zur Routine wird

Es gibt politische Rituale, die man fast schon mit der Stoppuhr messen kann. Besonders der freiheitliche Stiftungsrat Peter Westenthaler tut sich hier seit Monaten als medialer Dauerfeuer-Akteur hervor mit einer Schlagzahl und Schärfe, die mittlerweile bei uns als Beobachter für schlichte Ermüdung sorgt.

© Bild: KI-generiert

Ob Direktorenwahlen, Gremienbesetzungen oder programmliche Weichenstellungen: Kaum ist eine Entscheidung getroffen oder steht bevor, wird sie reflexartig als Skandal, Freunderlwirtschaft oder „Farcen“-Veranstaltung deklariert. Die neue Führung hat ihre Arbeit im Grunde noch gar nicht richtig aufgenommen, da wird schon mit Klagen gedroht, es werden schwere verbale Geschütze aufgefahren und Begriffe aus der Mottenkiste der Polemik bemüht.

Das Problem an dieser Taktik ist nicht, dass der ORF völlig kritikfrei wäre. Im Gegenteil: Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk dieser Größe muss sich selbstverständlich kritischen Fragen, Reformdruck und transparenter Kontrolle stellen.

Man drängt sich unweigerlich der Eindruck auf, dass es hier weniger um das Wohl des gebührenfinanzierten Senders oder eine echte inhaltliche Verbesserung geht, sondern um ein kalkuliertes Kalkül der Dauerpräsenz. Wer ständig im Mittelpunkt stehen muss, braucht den Krawall als Sauerstoff. Überspitzte Vergleiche und pauschale Rundumschläge ersetzen dabei jede differenzierte Auseinandersetzung. Wenn jede Entscheidung unabhängig von ihrer tatsächlichen Qualität – reflexartig mit maximaler Härte bekämpft wird, nutzt sich die Kritik ab. Sie verkommt zu einem vorhersehbaren Singsang, der von den tatsächlichen Herausforderungen des Medienhauses nur ablenkt.

Ein Mitglied des ORF-Stiftungsrates wie Peter Westenthaler wäre eigentlich dazu da, Verantwortung zu tragen und konstruktiv-kritisch zu begleiten, anstatt als Dauerbühne für persönliche Selbstdarstellung zu dienen. Es wäre im Sinne der österreichischen Medienkultur zu wünschen, dass hier wieder Sacharbeit vor mediale Eigeninszenierung gestellt wird.

Beitrag: Markus Kogler

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