Die Festspiele Reichenau blicken auf eine außergewöhnliche und äußerst erfolgreiche Jubiläumssaison zurück: Mit rund 39.000 Besucherinnen und Besuchern bei 131 Vorstellungen wurde ein phänomenaler Besucherrekord aufgestellt. Eine beeindruckende Auslastung von 92 Prozent unterstreicht die enorme Anziehungskraft des traditionsreichen Kulturfestivals.

© Bild: Copyright Katrin Nusterer Theater Reichenau
Unter der künstlerischen Leitung von Maria Happel verwandelte sich Reichenau an der Rax einmal mehr in einen wahren Hotspot für Theaterliebhaberinnen und Theaterliebhaber, die das hochkarätige Programm aus Klassikern und emotionalen Inszenierungen feierten.
Vorfreude auf 2027
Nach dem Sommer ist vor dem Sommer – und die Weichen für das nächste Jahr sind bereits gestellt: Die Festspiele Reichenau finden 2027 vom 30. Juni bis 1. August statt. Als feierliche Eröffnungspremiere wurde bereits Johann Nestroys Meisterwerk „Der Talisman“ fixiert.
Die Geschichte der Festspiele Reichenau ist eng mit der Tradition der Sommerfrische, der österreichischen Literaturgeschichte und einem Jahrhundert Theatergeschichte am Fuße der Rax verbunden.
Von der Sommerfrische zum Theaterbau (1870er bis 1926)
Reichenau an der Rax im Süden Niederösterreichs war im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert der legendäre Zufluchtsort für die Wiener Gesellschaft, Künstler und Intellektuelle. Dichter wie Arthur Schnitzler, Peter Altenberg, Hugo von Hofmannsthal und Stefan Zweig verbrachten hier ihre Sommer. Schon damals gab es erste literarische und private Theaterinitiativen (wie das „Thalhof-Festspiel“ 1886).
Um der Sommergesellschaft eine feste Kultureinrichtung zu bieten, erwarb die Gemeinde 1922 eine ehemals industriell genutzte Holzschleiferei. Das Gebäude wurde zum Theater- und Konzerthaus umgebaut und am 1. August 1926 mit Johann Strauss’ „Die Fledermaus“ feierlich eröffnet. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Haus vielseitig genutzt – von Gastspielen des Burgtheaters über Operetten bis hin zu Zeiten, in denen es als Kino diente oder ein Heimatmuseum beherbergte.

© Bild: Copyright Katrin Nusterer Theater Reichenau
Die Ära Loidolt und die Geburtsstunde der Festspiele (1988–2020)
Der eigentliche Grundstein für die heutigen Festspiele wurde 1988 durch Mag. Renate und Prof. Peter Loidolt gelegt. Sie gründeten den Kulturverein und die Festspiele Reichenau, um dem Ort neues kulturelles Leben einzuhauchen.
Das Festival spezialisierte sich programmatisch auf das literarische Erbe Österreichs – insbesondere auf jene Autorinnen und Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts, die einst selbst in Reichenau gelebt und gearbeitet hatten (wie Schnitzler, Nestroy, Werfel oder Bernhard).
Unter der langjährigen Leitung der Loidolts entwickelten sich die Festspiele zu einer der renommiertesten Sommerbühnen Österreichs. Das historische Theater wurde behutsam modernisiert, Spielstätten wie der „Neue Spielraum“ kamen hinzu, und das Festival erlangte durch hochkarätige Besetzungen und eine treue Stammpublikum-Community (gestützt auf Tausende Kulturvereinsmitglieder) immense Beliebtheit.
Übergang und Gegenwart unter Maria Happel (seit 2021/2022)
Nach über drei erfolgreichen Jahrzehnten zog sich das Ehepaar Loidolt zurück. Um den Fortbestand und die Weiterentwicklung des Festivals abzusichern, wurde im Jahr 2021 eine neue Struktur geschaffen: Die Theater Reichenau GmbH entstand, getragen zu großen Teilen von der Niederösterreichischen Kulturwirtschaft (NÖKU) und der Gemeinde.
Seit 2022 liegt die künstlerische Leitung in den Händen der bekannten Schauspielerin und Regisseurin Maria Happel. Sie führt das Erbe des Festivals fort, öffnet es gleichzeitig für frische Impulse und hält den Betrieb auf einem konstant extrem hohen Niveau was sich nicht zuletzt in den jüngsten Besucherrekorden und einer Auslastung von über 90 Prozent widerspiegelt.
Beitrag: Günter Wolfgang
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