{"id":57240,"date":"2023-03-11T20:40:47","date_gmt":"2023-03-11T19:40:47","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturonline.tv\/?p=57240"},"modified":"2023-03-11T20:40:49","modified_gmt":"2023-03-11T19:40:49","slug":"mak-zeigt-lili-reynaud-dewar-rome-1er-et-2-novembre-1975","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturonline.tv\/at\/mak-zeigt-lili-reynaud-dewar-rome-1er-et-2-novembre-1975\/","title":{"rendered":"MAK zeigt &#8220;LILI REYNAUD-DEWAR. Rome, 1er et 2 novembre 1975&#8221;"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit performativen Szenarien kommentiert die franz\u00f6sische K\u00fcnstlerin Lili Reynaud-Dewar (* 1975) den privaten und \u00f6ffentlichen Raum. Ihr \u0152uvre kreist um die Themen Individuum, Identit\u00e4t und Kollektiv, die sie in verschiedene Choreografien \u00fcbersetzt. \u201eRome, 1er et 2 novembre 1975<em>\u201c<\/em>, die titelgebende Installation ihrer Ausstellung im MAK, bezieht sich auf die Ereignisse der Nacht vom 1. auf den 2.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1440\" src=\"https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kultur-Online-TV-3-1-edited-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-57248\" srcset=\"https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kultur-Online-TV-3-1-edited-scaled.jpg 2560w, https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kultur-Online-TV-3-1-edited-800x450.jpg 800w, https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kultur-Online-TV-3-1-edited-1600x900.jpg 1600w, https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kultur-Online-TV-3-1-edited-768x432.jpg 768w, https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kultur-Online-TV-3-1-edited-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kultur-Online-TV-3-1-edited-2048x1152.jpg 2048w, https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kultur-Online-TV-3-1-edited-320x180.jpg 320w, https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kultur-Online-TV-3-1-edited-480x270.jpg 480w, https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kultur-Online-TV-3-1-edited-600x337.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">BILD  Lili Reynaud-Dewar, Filmstill aus dem Film Rome, 1er et 2 novembre 1975, 2019\u00d02021  \u00a9 Lili Reynaud-Dewar<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit performativen Szenarien kommentiert die franz\u00f6sische K\u00fcnstlerin Lili Reynaud-Dewar (* 1975) den privaten und \u00f6ffentlichen Raum. Ihr \u0152uvre kreist um die Themen Individuum, Identit\u00e4t und Kollektiv, die sie in verschiedene Choreografien \u00fcbersetzt. \u201eRome, 1er et 2 novembre 1975\u201c, die titelgebende Installation ihrer Ausstellung im MAK, bezieht sich auf die Ereignisse der Nacht vom 1. auf den 2. November 1975, als der Dichter und experimentelle Filmemacher Pier Paolo Pasolini (1922\u20131975) nahe Rom unter mysteri\u00f6sen Umst\u00e4nden ermordet wurde. Die mehrteilige Arbeit aus vier Videos und transkribierten Interviews erweitert die f\u00fcr Reynaud-Dewar charakteristische Erz\u00e4hlung zwischen K\u00f6rper und Raum um die politische Dimension.<\/p>\n\n\n\n<p>Rome, \u201e1er et 2 novembre 1975\u201c ist eine filmische Collage. Mit Freunden, Familie und ehemaligen Student<em>innen reinszeniert Lili Reynaud-Dewar Ausz\u00fcge aus dem letzten Interview, das Pasolini am Tag seiner Ermordung gab, sowie aus dem Drehbuch eines Films von Abel Ferrara \u00fcber den letzten Tag im Leben des Dichters. Durch dramaturgische und performative Eingriffe wird der K\u00f6rper zu einer Projektionsfl\u00e4che, die Sexualit\u00e4t, Gender und Gemeinschaft verhandelt. Die Grenzen zwischen Intimit\u00e4t und \u00d6ffentlichkeit sind in den Bewegungen der Darsteller<\/em>innen \u2013 K\u00fcnstler<em>innen, Theoretiker<\/em>innen, Kurator<em>innen, Sammler<\/em>innen und Student*innen wie Verena Dengler, Diedrich Diederichsen, Marina Faust, Ramaya Tegegne oder Mireille Rias \u2013 flie\u00dfend. Lili Reynaud-Dewar selbst schl\u00fcpft in die Rolle des Journalisten Furio Colombo.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Transkript des wenige Stunden vor Pasolinis Tod gef\u00fchrten Interviews vermittelt seine \u00dcberlegungen zu Faschismus, Bildung, Gewalt, Gesellschaft, Homosexualit\u00e4t und seine pers\u00f6nlichen Lebenserinnerungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Abel Ferraras Film \u00fcber den letzten Tag im Leben von Pasolini (\u201ePasolini&#8220;, 2014) ist ein zentraler Baustein in der Arbeit von Lili Reynaud-Dewar. Ferrara blickt auf diesen besonderen Tag zur\u00fcck: von der Arbeit Pasolinis an seinem filmischen Testament \u201eSal\u00f2 \u2013 Die 120 Tage von Sodom&#8220; \u00fcber Interviews, seine Lekt\u00fcre, Treffen mit Freund*innen, Gespr\u00e4che mit seiner Mutter bis hin zur letzten Begegnung. Im Fokus stehen Pasolini und sein minderj\u00e4hriger Geliebter Pino Pelosi, der als M\u00f6rder verurteilt wurde und sp\u00e4ter seine Version der Ereignisse \u00e4nderte. Der Verdacht eines politisch motivierten Mordes an Pasolini hat sich nie best\u00e4tigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Moment der Wiederholung und Abstraktion l\u00e4sst nachgespielte Ausschnitte aus dem Interview und aus Szenen nach Ferraras Film in einem anderen Licht erscheinen. Durch minimalistische Mittel \u2013 Leerstellen und Farbfelder \u2013 erweitert die K\u00fcnstlerin die Schnittstelle zwischen Bild, Film, Sprache und Raum. Querverweise auf das Drehbuch, die Akteur<em>innen und den Raum vertiefen die fiktionale Dimension des Filmischen. Die Darsteller<\/em>innen rezitieren aus demselben Script die gleichen S\u00e4tze in verschiedenen Sprachen und zeigen individuelle Besonderheiten. Im Laufe des Films werden die Betrachter<em>innen f\u00fcr die verschiedenen Tonarten der Protagonist<\/em>innen sensibilisiert. Dieses Stilmittel der Wiederholung erzeugt Umdeutungen, Neuformulierungen und fluide Handlungsr\u00e4ume. Selektive Szenen und das gesprochene Wort in Interview, Film und Performance verschieben sich in der Wahrnehmung.<\/p>\n\n\n\n<p>Es entspricht der Intention der K\u00fcnstlerin, unterschiedliche Interpretationen des Drehbuchs zuzulassen. Sie verkn\u00fcpft die \u00c4sthetik der Sprache mit neuen Wahrnehmungserfahrungen im filmischen und analogen Raum. Brosch\u00fcren, die auf dem Boden des Ausstellungsraums verstreut sind, enthalten biografische Interviews, die Lily Reynaud-Dewar mit allen Akteur<em>innen gef\u00fchrt hat. So entwickelt sie ein individuelles Portr\u00e4t der Darsteller<\/em>innen und offenbart ein facettenreiches Szenario der Trag\u00f6die, ein zeitgen\u00f6ssisches Memento mori. In der Arbeit entspinnt sich eine rituelle Imagination. Gleichzeitig lotet die K\u00fcnstlerin Potenziale des zeitgen\u00f6ssischen Diskurses zu Gender und Identit\u00e4t aus und regt die Betrachter*innen zur Reflexion an. Sie spannt einen Raum voller Narrationen, Aufnehmen und Abspielen werden zum Prinzip k\u00fcnstlerischer Produktion oder eines Mythos.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den Schauspieler*innen des Projekts \u201eRome, 1er et 2 novembre 1975&#8243; (2019\u20132021) z\u00e4hlen Mohamed Al Musibli, Bianca Benenti Oriol, Julie Boukobza, Verena Dengler, Diedrich Diederichsen, Fred Emprou, Marina Faust, Marwan Frickach, Ichiro Fukano, Ma\u00efa Izzo-Foulquier, Salvatore Lacagnina, Thomas Liu Le Lann, Pierre-Alexandre Mateos, Marlie Mul, Jimmy Nuttall, Koichiro Osaka, Naomi Quashie, Lili Reynaud-Dewar, Mireille Rias, Michele Robecchi, Kwon Sanghae, Bettina Steinbr\u00fcgge, Ramaya Tegegne, Satoshi Uka\u00ef und Frances Young. Weitere Mitwirkende sind Jacopo Adolini, Romain Bitton, Giordano Boetti, Eugenio Carrara, Pietrarco Franchetti, Tatiana Galdo, Sofia Gallarate, Maria Laura Gentile, Arturo Passacantando, Benedetta Pedone, Ryu San, Pablo Schellinger, Amano Takaaki, Kuwamoto Tomonari, Daniele Spadaro und Leonardo Varriale.<\/p>\n\n\n\n<p>Rome, \u201e1er et 2 novembre 1975&#8243; wurde von der Acad\u00e9mie de France \u00e0 Rome \u2013 Villa M\u00e9dici mit Unterst\u00fctzung von Le Fresnoy \u2013 Studio National des Arts Contemporains und der Fondation des Artistes produziert. Im Rahmen der Ausstellung im Centre Pompidou in Paris (6.10.2021\u20133.1.2022) gewann Lili Reynaud-Dewar mit der Arbeit den Prix Marcel Duchamp. 2022 kaufte die \u00d6sterreichische Ludwig-Stiftung die Arbeit, die zu den Schl\u00fcsselwerken in Lili Reynaud-Dewars \u0152uvre z\u00e4hlt, als Dauerleihgabe f\u00fcr die MAK Sammlung Gegenwartskunst an.<\/p>\n\n\n\n<p>Lili Reynaud-Dewar (* 1975) lebt und arbeitet in Grenoble, Frankreich. Seit 2010 lehrt sie an der Haute \u00c9cole d\u2019Art et de Design in Genf, Schweiz. Sie z\u00e4hlt zu den bedeutendsten K\u00fcnstler*innen ihrer Generation. 2023 sind weitere Einzelausstellungen im Palais de Tokyo, Paris, sowie im MAC \u2013 Mus\u00e9e d\u2019Art Contemporain de Montr\u00e9al, Kanada, geplant. 2015 nahm Reynaud-Dewar an der 56. Biennale di Venezia, All the World\u2019s Futures, kuratiert von Okwui Enwezor, teil.<\/p>\n\n\n\n<p>Kultur Online TV<\/p>\n\n\n\n<p>#kunst #news #kultur<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit performativen Szenarien kommentiert die franz\u00f6sische K\u00fcnstlerin Lili Reynaud-Dewar (* 1975) den privaten und \u00f6ffentlichen Raum. 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