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Machtgier und Menschlichkeit: „Sankt Falstaff“ feiert Premiere im Thalia Theater

Am 24. Januar 2026 verwandelte sich das Hamburger Thalia Theater in eine Arena der politischen Gegenwart. Mit der Premiere von „Sankt Falstaff“, einer Überschreibung von Shakespeares Heinrich IV. durch den österreichischen Dramatiker Ewald Palmetshofer, zeigt Regisseurin Luise Voigt ein bildgewaltiges Stück über den Zerfall der Demokratie und die Brutalität der Macht.

Sankt Falstaff, von Ewald Palmetshofer frei nach Shakespeares King Henry IV Regie Luise Voigt
Pressefoto: © Krafft Angerer https://www.thalia-theater.de/de/presse/sankt-falstaff/70

In Palmetshofers Version ist die alte Ordnung längst zerbrochen. Wir befinden uns in einem Staat, der von einem „Quasi-König“ namens Heinz (gespielt von André Szymanski) regiert wird, der sich an die Macht geputscht hat. Während im Palast Intrigen und Angst herrschen, flieht der Thronfolger Harri in die Unterwelt.

Der „Heilige“ Narr: Falstaff (Julian Greis) ist hier kein reiner Saufkopf, sondern ein „Sankt“, ein heiliger Narr, der in der Kneipe von Frau Flott die letzte Bastion der Menschlichkeit verteidigt. Draußen wütet der Widerstand, angeführt vom Hitzkopf Percy, während die Gesellschaft in Panik und Misstrauen versinkt.

Die Inszenierung: Ein Rausch aus Bild und Ton

Regisseurin Luise Voigt, bekannt für ihre multimedialen Ansätze, setzt auf eine starke visuelle und akustk.Bildstarke Szenen, die zwischen klinischer Machtzentrale und dem dreckigen Charme von „Flott’s Club“ wechseln. Die Sprache: Palmetshofers Text ist hochgradig rhythmisiert und geschliffen – ein intellektuelles Vergnügen, das die Mechanismen des Populismus bloßstellt und die Darsteller eben einem brillanten Julian Greis als Falstaff überzeugt das gesamte Ensemble durch körperliche Präsenz und sprachliche Präzision.

Trotz kleinerer Längen im Finale loben Kritiker den Abend als „großen Erfolg“ und „bildstarke Sinnesüberwältigung“. Es ist ein Abend, der nicht nur Shakespeares Klassiker ehrt, sondern uns unbequeme Fragen über unsere eigene politische Realität stellt.


Foto: Krafft Angerer

Das Thalia Theater in Hamburg ist eines der drei staatlichen Sprechtheater und zählt zu den renommiertesten Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum. Es steht für ein Theater, das sich einmischt, gesellschaftliche Debatten anstößt und ästhetisch immer wieder neue Wege geht.

Seit der Spielzeit 2025/26 steht das Haus unter einer neuen Leitung. Sonja Anders hat das Ruder von Joachim Lux übernommen. Ihr Fokus liegt auf:

  • Diversität & Öffnung: Das Ensemble ist jünger, weiblicher und internationaler geworden.
  • Stadtgesellschaft: Das Theater sucht den Dialog mit Hamburg, etwa durch Eröffnungsfestivals auf öffentlichen Plätzen.
  • Zeitgenössisches Erzählen: Neben Klassikern stehen viele Uraufführungen und moderne Überschreibungen auf dem Plan (wie aktuell „Sankt Falstaff“).

Die Spielstätten

Das Thalia bespielt zwei völlig unterschiedliche Orte, die jeweils ihren eigenen Charakter haben:

  • Das Große Haus am Alstertor: Ein prachtvoller Bau mit rund 1.000 Plätzen in der Hamburger Innenstadt. Hier finden die großen Premieren und die „Lessingtage“ statt. Unterm Dach befindet sich das legendäre Nachtasyl – Bar, Club und Bühne für Experimente in einem.
  • Thalia in der Gaußstraße (Altona): Die ehemalige Fabrikhalle dient als Labor. Hier wird experimentiert, junges Regietheater gefördert (z.B. durch das Körber Studio Junge Regie) und in der neuen Bühne „Die Box“ ein intimerer Rahmen geschaffen.

Besondere Formate & Festivals

  • Lessingtage: Das jährliche internationale Festival (Ende Januar/Anfang Februar) widmet sich Themen wie Aufklärung, Religion und kultureller Verständigung.
  • Körber Studio Junge Regie: Ein wichtiges Sprungbrett für den Theaternachwuchs aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
  • Wir müssen reden: Eine neue Gesprächsreihe, die prominente Gäste aus Politik und Kultur an den Alstertor holt.

Kultur Online TV

Beitrag: Mathias Kern

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