Früher gab es das „Lagerfeuer-Prinzip“: Alle schalteten dieselben drei Fernsehsender ein, hörten dieselben Radiostationen und lasen dieselben Magazine. Wenn jemand dort stattfand, sah ihn die ganze Welt gleichzeitig.

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Heute leben wir in digitalen Nischen. Dank Algorithmen auf TikTok, Spotify und YouTube konsumiert jeder seine eigene, maßgeschneiderte Realität. Jemand kann 50 Millionen Follower haben, und trotzdem hat die Hälfte der Bevölkerung noch nie von dieser Person gehört. Es gibt keine „geteilte Aufmerksamkeit“ mehr.
Die Demokratisierung des Ruhms
Früher war Berühmtheit exklusiv. Man brauchte ein riesiges Studio, ein Label oder einen Agenten, der die Tore öffnete. Das verlieh den Stars eine Aura der Unerreichbarkeit. Heute kann jeder mit einem Smartphone berühmt werden. Die Barriere ist gefallen. Wenn Berühmtheit für jeden zugänglich ist, verliert sie ihren mystischen Status. Wir haben heute eine Flut an „Mikro-Promis“, aber kaum noch jemanden, der ein ganzes Jahrzehnt prägt.
Ein wesentlicher Bestandteil eines Superstars war das Geheimnisvolle. Man sah sie nur in perfekt inszenierten Filmen oder auf Hochglanzfotos. Social Media verlangt ständige Nahbarkeit. Wir sehen Stars beim Kochen, beim Sport oder wenn sie gerade erst aufgewacht sind. Nahbarkeit ist der Feind der Anbetung. Wer uns wie ein Nachbar erscheint, den betrachten wir nicht mehr als Gott-gleiches Idol. In einer Welt der 15-Sekunden-Videos bleibt nicht genug Zeit, um die tiefe emotionale Bindung aufzubauen, die einen echten Superstar ausmacht.
Wir befinden uns im Zeitalter der Hyper-Personalisierung. An die Stelle der wenigen, alles überstrahlenden Sonnen sind Millionen kleiner Sterne getreten. Das ist demokratischer und bietet mehr Vielfalt, aber es bedeutet auch das Ende einer Zeit, in der sich die ganze Welt auf eine einzige Ikone einigen konnte.
Beitrag: Andreas Schwarz
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