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Grenzenlos zynisch: Gibt es keine Tabus mehr?

Der jüngste Schlagabtausch zwischen dem politischen Kommentator Gerald Grosz und Rudi Fussi auf oe24.TV hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack und wirft eine fundamentale Frage auf: Gibt es im politischen Diskurs mittlerweile überhaupt noch Grenzen des Sagbaren?

©Bild KI-generiert

In der Diskussion über das personelle Chaos in der SPÖ ging es um die Frage, ob es moralisch vertretbar sei, jemanden mit einer schweren Krebserkrankung in ein solch stressiges Spitzenamt (wie den Parteivorsitz oder ein Vizekanzleramt) zu drängen.

Der „Sager“ von Grosz

Grosz zog dabei einen harten und zynischen Vergleich. Er meinte sinngemäß, angesichts der Belastungen und Intrigen, die jemanden an der SPÖ-Spitze erwarten, sei „der Krebs ein Lehrer dagegen“. Zudem fügte er hinzu, wenn er die Wahl hätte, würde er sich lieber gleich „in die Onkologie begeben, bevor er bei der SPÖ anstreife“. [1]

Die Rechtfertigung

Nach heftiger Kritik und Empörung betonte Grosz, er habe Marterbauer nicht persönlich beleidigen wollen und wünsche ihm eine gute Genesung. Aus seiner Sicht beschrieb er lediglich den Zustand der SPÖ als politische „Todeszone“.

Ob man solche Vergleiche im politischen Diskurs für „normal“ oder akzeptabel hält, ist Gegenstand einer harten gesellschaftlichen Debatte. Viele Zuschauer und politische Beobachter empfinden es als Tabubruch, eine schwere, lebensbedrohliche Erkrankung wie Krebs als rhetorische Metapher für politisches Hickhack zu nutzen. Grosz ist allerdings für seine bewusst provokanten, oft an der Grenze zum Zulässigen formulierten Wutreden und Zuspitzungen bekannt, um mediale Aufmerksamkeit zu generieren.

Für uns Grenzenlos zynisch: Warum dieser Krebs-Sager eine rote Linie überschreitet

Aus unserer Sicht ist ein solches Verhalten völlig untragbar. Wenn das menschliche Leid von Millionen Betroffenen und ihren Familien als zynischer Seitenhieb missbraucht wird, ist das mal wieder einer der Tiefpunkte des politischen Anstands.

Und dann stellt sich hier für uns noch eine andere Frage! Darf ein Sender, der an öffentliche Medienförderung kassiert, solchen Personen mit den von Ihnen inszenierten verbalen Tiefschlägen eine Bühne geben ?

Niki Fellner und auch Rudi Fußi intervenierten in der Live-Situation und auch Journalistin Isabelle Daniel stellte Grosz in einer Folgesendung zur Rede, ob hier nicht eine Entschuldigung fällig wäre. die jedoch ausblieb!

Für oe24.TV sind Figuren wie Gerald Grosz kein Unfall, sondern das Fundament des Programms. In Formaten wie „Fellner! Live“ oder „Schlag den Grosz“ geht es nicht um den sachlichen Diskurs oder politische Bildung. Es geht um maximale Polarisierung. Das Kalkül ist simpel: Je lauter, je untergriffiger und je unappetitlicher der Sager, desto verlässlicher glühen die Social-Media-Kanäle und desto höher steigen die Quoten. Anstatt Qualität und journalistische Verantwortung zu belohnen, subventioniert der Staat mit Steuergeldern auch so ein Programm von Krawallmachern.

Doch dieser moralische Tiefpunkt führt uns abr auch vor Augen, wie überlebenswichtig ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk für unsere Demokratie tatsächlich ist.

Man stelle sich nur einmal vor, es gäbe keine verlässliche Alternative mehr. Eine Medienlandschaft, die ausschließlich aus solchen Plattformen und Figuren bestehen würde.

Ohne den gesetzlichen Bildungs- und Informationsauftrag eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks gäbe es keine unaufgeregte, sachliche Berichterstattung mehr. Jedes Thema würde durch den Fleischwolf der maximalen Polarisierung gedreht, weil nur noch der lauteste Krawall Werbeeinnahmen generiert. Ein öffentlich-rechtlicher Sender wie der ORF ist gewiss nicht fehlerfrei und muss sich ständiger Kritik stellen. Aber er garantiert ein Grundrauschen an journalistischen Mindeststandards, Faktenprüfung und Niveau. Er ist das Gegengewicht zu einem System, in dem Ethik für die Einschaltquote geopfert wird.

Beitrag: Markus Kogler

Themen: Gerald Grosz | Rudi Fussi | oe24.TV


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