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Der stille Freund“ – Die karge Eleganz des Augenblicks

Ferdinand von Schirach ist zurück, und er bleibt sich treu: In seinem neuesten Erzählband „Der stille Freund“ (erschienen im Spätsommer 2025/2026) serviert er uns erneut jene literarische Kost, die ihn weltberühmt gemacht hat – präzise, kühl, distanziert und doch von einer erschütternden Tiefe.

Das Buch ist kein Roman, sondern eine Sammlung von 14 Texten – Erzählungen, Reflexionen und autobiografischen Skizzen. Schirach führt uns von Berlin über Wien bis nach Kapstadt. Er begegnet historischen Figuren wie dem Tennisbaron Gottfried von Cramm, dem Architekten Adolf Loos oder dem Philosophen Egon Friedell.

Dabei verwebt er Weltgeschichte mit privaten Anekdoten. Die titelgebende Geschichte handelt von seinem Schulfreund Massimo aus dem Jesuiten-Internat – jenem „stillen Freund“, der die Vergangenheit versteht und an die Zukunft glaubt.

Zentrale Themen


Die Zerbrechlichkeit des Lebens: Wie schon in seinen früheren Werken steht der Zufall im Mittelpunkt. Ein kleiner Moment, eine falsche Entscheidung, und ein ganzes Leben gerät aus den Fugen.

Schuld und Moral: Schirach fragt nicht nach einfachen Antworten. Er stellt die Paradoxien menschlichen Handelns aus, ohne zu urteilen. Besonders eindringlich: die Schilderung des Massakers in Israel und die Kritik an der heutigen Echo-Kammer der sozialen Medien.

Ein zentraler Satz des Buches lautet: „Alle Fragen nach einem Sinn sind Kinderfragen. Es gibt keine Regeln.“


Wer Schirach liest, sucht keine blumigen Adjektive. Seine Sätze sind wie ein gut geschnittener Anzug: kein Stoff zu viel, jede Naht sitzt. Diese Lakonie erzeugt eine Sogwirkung, die gerade in ihrer Emotionslosigkeit eine enorme emotionale Wucht beim Leser entfaltet.


Für Fans ist dieser Band ein Muss. Er bietet genau die nachdenkliche Melancholie, die man an einem regnerischen Nachmittag sucht. Kritiker könnten anmerken, dass Schirach hier bewährte Pfade wandelt und die Grenze zwischen tiefer Einsicht und „Parkettsicherheit“ (wie es eine Rezension nannte) manchmal schmal ist. Doch gerade diese Sicherheit macht ihn zu dem „stillen Freund“ im Bücherregal, den man in turbulenten Zeiten braucht.

Fazit:

„Der stille Freund“ ist ein Buch über das Staunen und das Scheitern. Es liefert keine Lebensratgeber, aber es bietet Trost in der Erkenntnis, dass wir alle Suchende sind. Ein absolut lesenswerter Band, der zeigt, warum Schirach auch 2026 noch eine der wichtigsten Stimmen unserer Literatur ist.

Passend zum Buch startet Ferdinand von Schirach ab Herbst 2026 seine große Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Andreas Schwarz

Kultur Online FM

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