Der Wiener Opernball: Ein kulturelles Ereignis ?

Der Wiener Opernball, wirft in der heutigen Zeit Fragen auf. Passt ein Ball, der Luxus und Exklusivität zelebriert, noch in eine Gesellschaft, die von sozialen Ungleichheiten und globalen Krisen geprägt ist?

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Eine Kritische Betrachtung von Andreas Schwarz

Der Opernball ist ein Symbol für Reichtum und Privilegien. Die hohen Kosten für Eintrittskarten, Abendkleider und Logen machen ihn für die breite Bevölkerung unerreichbar.
In einer Zeit, in der soziale Ungleichheit zunimmt, wirkt der Opernball wie ein Anachronismus, der die Kluft zwischen Arm und Reich verdeutlicht.

Youtube/Kurier: Nicht jeder ist von der Großveranstaltung begeistert: Schon im Vorfeld wurden zwei Demos und eine Kundgebung angekündigt. Zwischenfälle gab es jedoch nicht, alles verlief friedlich, so Polizeisprecherin Anna Gutt.

Die Gästeliste dominiert von Politikern, Wirtschaftsbossen und D-Promis. Die verschwenderische Inszenierung des Opernballs, mit teuren Dekorationen und Champagner, steht im Kontrast zu den globalen Herausforderungen und könnte man sinnvoller in soziale Projekte investieren.

Tradition vs. Moderne

1935 wird erstmals am Wiener Opernball getanzt

Der Opernball beruft sich auf eine lange Tradition, doch Traditionen sollten nicht unkritisch fortgeführt werden.
Die Frage ist, ob ein solches Ereignis noch zeitgemäß ist, steht auf jeden Fall im Raum.

Er war einst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Wien und ein mediales Ereignis von internationaler Bedeutung. Er förderte die österreichische Kultur und Tradition und war auch ein Ort des Vernetzens, doch das ist schon lange vorbei.

Die Zusammenkunft von D-Prominenten, konservativen Kreisen und Wirtschaftsvertretern, finanziert durch Steuergelder, erscheint als zynische Demonstration von Privilegien.

Während die breite Bevölkerung mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpft, zelebrieren die Begünstigten ihre Exklusivität und verschwenden öffentliche Mittel für ein Ereignis, das in seiner Form längst überholt ist.

Dekadenz in Reinkultur

Würstel und Champagner für 55 Euro

Der Eintritt zum Opernball kostete dieses Jahr 395 Euro, was einer Erhöhung von 10 Euro entspricht. Als „Wermutstropfen“ flossen davon 35 Euro als Solidaritätsbeitrag an die Hilfsorganisation „Österreich hilft Österreich“, wie bereits im Vorjahr.

Wer den Opernball in einer der begehrten Logen erleben wollte, musste tief in die Tasche greifen. Für eine Bühnenloge wurden 15.000 Euro fällig, für eine Rangloge sogar 25.000 Euro.

Speisen und Getränke:

Ein kleines Bier (0,33 Liter) 14,50 Euro, ein weißer Spritzer ebenfalls 14,50 Euro, ein Achterl Wein gibt es ab 16 Euro. Ein Gläschen Sekt 21 Euro und ein Glas Champagner 39 Euro.

Für den kleinen Hunger zwischendurch gabt es die klassischen Sacherwürstel mit Handsemmel, zum Preis von 16 Euro.

Kulturelle Aspekte:

Der Opernball hat eine lange Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Er ist ein fester Bestandteil der Wiener Balltradition, die von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt ist.

Er verkörpert die Wiener Ballkultur mit ihren spezifischen Tänzen, der Kleiderordnung und dem Protokoll.

Der Wiener Opernball ist ein Widerspruch in sich selbst, der sowohl die Schönheit der Wiener Kultur als auch die Schattenseiten der Gesellschaft widerspiegelt. Ob man ihn als Kultur oder Unkultur betrachtet, hängt von der individuellen Perspektive ab.

Fazit:

Für mich ist der Wiener Opernball, ein Relikt aus vergangenen Zeiten und wirkt in einer Ära der Krisen völlig deplatziert. Die Zurschaustellung von Reichtum und D-Prominenz, finanziert durch die Gelder derjenigen, die sich diesen Luxus nicht leisten können, ist ein Affront gegen die soziale Gerechtigkeit.

Auch die Tatsache, dass diese Veranstaltung, zum Teil durch öffentliche Gelder finanziert wird, während viele Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, ist alles andere als zeitgemäß.

Andreas Schwarz

Kultur Online TV-FM

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