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Wenn Kunstschaffende die Sprache der Brandstifter übernehmen

Es gibt rote Linien, die in einer demokratischen Debatte niemals überschritten werden dürfen. Wer im Jahr 2026 den Namen Stauffenberg in den Mund nimmt, um das Handeln gegen die amtierende politische Führung zu fordern, hat den Boden des demokratischen Diskurses endgültig verlassen.

© Bild: ThomasGigold, Quellenangabe, via Wikimedia Commons

Dass ein solcher Vergleich in einer öffentlichen Runde – in diesem Fall durch den Kabarettisten Uwe Steimle ausgesprochen wurde, macht das ganze noch zu einem erschreckenderen Tiefpunkt. Und verstörend auch die Reaktion des Publikums: Die jubelnde Menge im Saal unterstreicht, dass hier nicht mehr von einer kontroversen Meinung gesprochen werden kann, sondern von einer bewussten Normalisierung von Gewaltphantasien gegen den Bundeskanzler.

Dass solche Entgleisungen ausgerechnet aus dem Umfeld der Kulturszene kommen, macht die Angelegenheit für uns umso brisanter. Von Kabarett und Kunst erwarten wir in einer Demokratie den Spiegel der Gesellschaft, beißende Satire oder kritische Reflexion – aber niemals die Billigung oder Heraufbeschwörung von Attentaten. Wenn ein Künstler die historische Figur Stauffenbergs nutzt, um in Richtung des Bundeskanzlers zu agitieren, verrät er den Auftrag der freien Kunst. Er nutzt die Bühne nicht für den Diskurs, sondern als Brandbeschleuniger für einen Hass, der die Grenze zur Aufforderung zum Verbrechen überschreitet.

Schweigen ist keine Option mehr

Wir können nicht länger zusehen, wie unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit oder „überspitzter Rhetorik“ systematisch der Boden für Gewalt bereitet wird. Wenn die Jubelrufe im Saal verhallen, bleibt das bittere Bewusstsein, dass eine politische Radikalisierung stattgefunden hat, die den demokratischen Konsens aktiv zerstört.

Es ist an der Zeit, dass wir als Gesellschaft – und vor allem auch die Akteure des Kulturbetriebs unmissverständlich Position beziehen: Wer Attentate herbeisehnt und wer solche Aussagen applaudierend legitimiert, hat in einer zivilisierten, demokratischen Öffentlichkeit keinen Platz. Solche Akteure müssen sich nicht nur den rechtlichen Konsequenzen stellen, sondern auch der gesellschaftlichen Isolation, die sie mit ihrer Verachtung für unsere Verfassungsordnung selbst heraufbeschworen haben.

Andreas Schwarz

Themen: Kunst Politsche Retorik Uwe Steimle

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