Wenn eine gefeierte Professorin, die sich jahrelang als „Person of Colour“ profiliert hat, plötzlich als weiß entlarvt wird, bricht an einer Universität nicht nur das Chaos aus, sondern ein fundamentaler Diskurs über Identität, Zugehörigkeit und Aneignung. Die Adaption des Romans Identitti greift diesen hochexplosiven Stoff – basierend auf der Prämisse der Düsseldorfer Professorin Saraswati und ihrer Entdeckung durch die Studentin und Podcasterin Nivedita – mit bemerkenswerter Schärfe auf.

Handlung und Inszenierung

Die Geschichte beginnt als digitaler Flächenbrand: Ein altes Foto taucht in den sozialen Medien auf, streut den Beweis für Saraswatis (Stephanie Eidt) Lebenslüge und löst einen Strudel aus Empörung, Forderungen nach Entlassung und medialem Furor aus. Doch statt sich in einer eindimensionalen Abrechnung zu verlieren, schlägt das Werk einen faszinierenden Haken.

Nivedita (Amanda Babaei Vieira), online als „Identitti“ bekannt, begibt sich auf die Suche nach den Motiven hinter dem jahrelangen Betrug. Sie will verstehen, warum eine Frau eine solche Identität annimmt und verteidigt. Auf diesem Weg gerät Nivedita in einen tiefen Strudel, in dem sie nicht nur Saraswatis Handeln, sondern auch ihr eigenes Ich und ihre Rolle im Diskurs hinterfragen muss – verstärkt durch die Begegnung mit Kaali (Sabrina Setlur), ihrem eigenen Alter Ego.

Fazit

Das Werk gelingt ein seltenes Kunststück: Es bedient sich aktueller Debatten um Identitätspolitik, Appropriation und Cancel Culture, ohne dabei in platte Polemik zu verfallen. Stattdessen spannt es einen Bogen aus digitalem Druck, persönlicher Krise und gesellschaftlicher Selbsterforschung. Ein kluges, diskussionswürdiges Drama, das Fragen aufwirft, die noch lange nach dem Abspann nachhallen.

Bewertung: ★★★★☆ (4 von 5 Sternen)

Kultur Online TV Redaktion: myScreenGuide

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