Es ist ein Schlag ins Gesicht für jeden, der das Kino als Handwerk, als Ausdruck menschlicher Emotion und als Lebenswerk schätzt: Die KI-generierte Figur Tilly Norwood soll ihre erste Spielfilmhauptrolle im Projekt „Misaligned“ erhalten. Während in Hollywood die Schauspielgewerkschaft SAG-AFTRA und Größen wie Emily Blunt entsetzt reagieren, feiert das verantwortliche Studio Particle 6 den digitalen Abklatsch bereits als die „nächste Scarlett Johansson“.
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Doch lassen Sie uns eines klarstellen: Tilly Norwood ist keine Schauspielerin. Sie ist ein Algorithmus, gefüttert mit der Arbeit unzähliger echter Menschen, die für diesen Datendiebstahl weder um Erlaubnis gefragt noch entlohnt wurden. Sie ist die digitale Ausbeutung menschlicher Kreativität.
Die Macht liegt bei uns, dem Publikum!
Die Filmindustrie schielt auf Profit. Für sie ist eine KI-Figur die „perfekte“ Darstellerin: Sie altert nicht, sie fordert keine Gage in Millionenhöhe, sie braucht keine Pausen und sie wird nie krank. Wenn wir als Publikum diesen Prozess akzeptieren, machen wir uns mitschuldig an der Abschaffung der menschlichen Kunstform Film.
Doch wir haben ein mächtiges Werkzeug, das kein Algorithmus der Welt umgehen kann: Unser Konsumverhalten. Es gibt nur einen Weg, um diesen digitalen Spuk schnell und wirkungsvoll zu beenden: Wir schauen uns den Film nicht an!
Kein Kinoticket kaufen.
Kein Streaming-Abo für diesen Film abschließen.
Keine digitale Aufmerksamkeit schenken.
Wenn das Studio mit seinem KI-Experiment keinen Cent verdient, wird der „digitale Star“ schneller in der Versenkung verschwinden, als die Server hochfahren können. Ein wirtschaftliches Fiasko ist das einzige Argument, das Investoren in der Unterhaltungsbranche verstehen.
Kultur braucht Seele, keine Berechnungen
Schauspielkunst braucht Herzblut und echte Erlebnisse – Dinge, die eine KI niemals haben kann. Sie ist nur eine Kopie von etwas, das schon da ist. Wenn wir dies unterstützen, riskieren wir das Ende echter Geschichten. Wir tauschen menschliche Tiefe gegen eine leere Hülle aus dem Computer ein. Ein Erfolg dieses Films wäre ein gefährlicher Schritt, der dazu führen könnte, dass echte Schauspieler durch seelenlose Algorithmen ersetzt werden.
Nur weil eine Technologie funktioniert, ist sie noch lange nicht zum Wohle der Menschheit. Wir müssen den Stecker ziehen, bevor wir uns in dieser Abhängigkeit selbst auslöschen.“
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Beitrag: Günter Wolfgang
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