Schüttbilder

Hermann Nitsch ist damit berühmt geworden. Anfänglich heftig umstritten und sogar mit Gefängnis bestraft, ist der Schöpfer des Orgien-Mysterien-Theaters letzten Endes dann doch in den Malerolymp aufgestiegen, ein typisch österreichisches Schicksal, ausgezeichnet mit dem Großen Österreichischen Staatspreis für Bildende Kunst.

Vermutlich von ihm inspiriert, erlebt der Meister der Schüttbilder seine Wiederauferstehung in den aktuellen Schüttaktionen von Umweltaktivisten, deren Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom sich in Form von Tomatensuppe auf die Sonnenblumen Van Goghs oder Kartoffelbrei auf die Heuschober Monets ergießt.

Nun speit sich auch in Wien der moralinsaure Protest mit schwarzer Farbe auf Klimts „Tod und Leben“ und findet sogar das Verständnis der Kunststaatssekretärin für die Sorgen der Aktivisten, wenngleich sie sich butterweich von den Methoden distanziert.

Hermann Nitsch hätte sich sicher gegen die Überschüttung seiner Schüttbilder gewehrt, Moral ist eben nur Sauce und Blut ein besonderer Saft.

Die letzten, die Kunst wegen ihres kruden Weltverständnisses attackierten, waren die Nazis.

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