FELICE VARINI „Douze points pour six droites“ / Zwölf Punkte für sechs Geraden

Eine temporäre Installation für die historische Innenstadt von Kirchheim unter Teck. Ab Oktober 2022 werden Bewohner:innen und Besucher:innen von Kirchheim unter Teck in der unteren Max-Eyth Strasse von einer raumgreifenden installativen Malerei des in Paris lebenden Künstlers Felice Varini begrüßt.

© 7ème édition d’IN SITU Patrimoine et art contemporain au château et remparts de la cité de Carcassonne, Porte d’Aude. Photo: André Morin


Felice Varini kommt ursprünglich von der Malerei. Statt der aufgezogenen Leinwand, bevorzugt der Schweizer Künstler urbane Oberflächen als Bildträger seiner farbintensiven Eingriffe. Fassaden, Mauern, Türme, Straßen und Wände sind das häufigste Bezugsfeld für seine installative Malerei. Varinis urbane Malerei entwickelt sich in Auseinandersetzung mit dem spezifischen Ort. Sie macht die Maßstäblichkeit einer urbanen Situation, deren Historie und Funktion, aber auch deren Blickachsen und räumliche Relationen sichtbar. In der Regel arbeitet der Künstler mit einfachen geometrischen Formen wie beispielsweise mit Kreis, Ellipse, Quadrat oder Dreieck; aber auch gerade, gebogene und gekrümmte Linien kommen als grafisches Vokabular immer wieder zum Einsatz.

Für die Stadt Kirchheim unter Teck realisiert Felice Varini eine ortsbezogene Malerei mit dem Titel „Douze points pour six droites“ / „Zwölf Punkte für sechs Geraden“. Den Ausgang bilden 12 Punkte im Stadtraum, von denen reflektierende Metallbänder in unterschiedlicher Breite diagonal über Hauswände, Giebel und Dächer gezogen werden, um sich optisch zu einem sternartigen Gebilde zu vereinen. Die Anordnung der Farbbänder erfolgt nach einem ausgeklügelten perspektivischen Prinzip, das Varini über viele Jahre für seine raumbezogenen Arbeiten entwickelt hat. Dabei bedient sich der Künstler der Technik der anamorphosen Illusion, die vor allem im Barock beliebt war, um geheime und verbotene Botschaften mitzuteilen. Daraus erklärt sich auch die komplexe Lesbarkeit von Varinis urbaner Malerei. Es gibt immer nur einen spezifischen Blickwinkel (point of view), von dem aus die „komplette minimalistische Gestalt“ bzw. das „vollständige Bild“ gesehen werden kann. Beim Verlassen dieses Blickpunktes zerfällt es in einzelne Farbformen, die beim Durchqueren der Innenstadt auf den öffentlichen Flächen wie versprengte Fragmente eines großen Puzzles auftauchen.
Durch das Verfahren der Umformung und optischen Verzerrung wird der malerische Eingriff des Künstlers zu einem stadträumlichen SUCHBILD, das die Aufmerksamkeit und

perzeptive Mitarbeit der Betrachter*innen herausgefordert, aber auch deren detektivische Neugier weckt, sich an der Erschließung des Bildes zu beteiligen.

Der Kunstbeirat der Städtischen Galerie hat mit Felice Varini einen international anerkannten Künstler nach Kirchheim unter Teck eingeladen, der in über 50 Einzelausstellungen in Europa, den USA, Asien und Australien und in zahlreichen Kollektivausstellungen zu sehen war.
Zum Projektbeginn liegt eine kostenlose Broschüre in allen öffentlichen Einrichtungen aus.

„Douze points pour six droites“ wird gefördert von der Stadt Kirchheim unter Teck, der Baden-Württemberg Stiftung, Stuttgart; Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia; Stiftung Kreissparkasse, Esslingen; Württembergische Gemeindeversicherung Stiftung, Stuttgart; LBBW Stiftung, Stuttgart; Seyfried & Wiedemann GmbH, Frickenhausen; MCO, Kirchheim; Architektenkammer Baden-Württemberg, Domino Stiftung, Reutlingen und Hotel Waldhorn, Kirchheim unter Teck.

Das Projekt wurde kuratiert vom Kunstbeirat der Städtischen Galerie im Kornhaus in Zusammenarbeit mit der Stadt Kirchheim unter Teck und dem Freundeskreis des Kunstbeirates.
https://staedtischegaleriekirchheim.com/freundeskreis-des-kunstbeirats-fdk/

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