Es ist das „Fest der Feste“, der „Ball der Bälle“ , doch blickt man hinter die glitzernde Fassade aus Swarovski-Kristallen und Frackzwang, drängt sich eine bittere Frage auf: Was ist eine Tradition eigentlich noch wert, wenn sie künstlich beatmet werden muss? Besonders dann, dass Hollywood-Größen oder Sternchen wie Kim Kardashian, Jane Fonda oder Priscilla Presley und aktuelle in diesem Jahr (2026) Sharon Stone eine Gage von € 150.000.- kassiert , nur um für ein paar Stunden in einer Loge zu sitzen und in Kameras zu lächeln.

©Bild mit KI erstellt 2026
Die Dekadenz der „Gekauften Gäste“
Wenn Richard Lugner (†) oder andere Logenbesitzer Unsummen ausgeben, um sich mit internationalem Glanz zu schmücken, verliert der Ball seine Seele. Es geht nicht mehr um die Begegnung, um den Tanz oder die Musik, sondern um den Marktwert eines Selfies.
Während der „normale“ Ballgast über 300 € für den Eintritt und astronomische Preise für ein Glas Sekt (ca. 21 €) zahlt, werden die „Stars“ fürs Erscheinen fürstlich entlohnt. Oft genug wirken die bezahlten Gäste in den Interviews (man denke an Kim Kardashian oder Lindsay Lohan) gelangweilt, fremd oder gar genervt, also alles andere als eine kulturelle
Ein Blick über den Tellerrand zeigt aber leider das der Opernball mit dieser Art der „Bezahlten-Gäste nicht alleine ist.
Verwandte Beispiele: Wo das Geld den Takt angibt
Nicht nur in Wien wird „Glanz“ mit dem Scheckheft bestellt. Überall dort, wo alte Traditionen auf moderne Aufmerksamkeitsökonomie treffen, bröckelt die Fassade:
- Der Semperopernball (Dresden): Ähnlich wie in Wien versuchte man hier jahrelang, durch die Vergabe von „St. Georgs Orden“ an internationale Prominenz (oft gegen hohe „Aufwandsentschädigungen“) Weltläufigkeit zu simulieren. Das gipfelte oft in Kritik, wenn die Preisträger – wie etwa der ägyptische Präsident Al-Sisi – politisch mehr als fragwürdig waren.
- Filmball München: Früher ein Treffpunkt der deutschen Kinoprominenz, wirkt er heute oft wie eine PR-Veranstaltung für Sponsoren, die „B-Promis“ einfliegen lassen, damit der rote Teppich nicht leer bleibt.
- Cannes & Co.: Selbst bei den großen Filmfestspielen gibt es die sogenannten „Professional Guests“. Reiche Privatpersonen bezahlen Agenturen Unsummen, damit diese ihnen einen Star vermitteln, der sie auf eine Gala begleitet der Ballgast als Accessoire.
Ist das noch alles Zeitgemäß?
In einer Ära, in der die Schere zwischen Arm und Reich nicht nur klafft, sondern bricht, wirkt der Opernball wie ein Relikt aus einer anderen Galaxie. Während die Inflation die Supermarktpreise in die Höhe treibt und der Nachbar vielleicht heimlich Mahlzeiten ausfallen lässt, um die Stromrechnung zu bezahlen, flimmert die absolute Dekadenz in HD-Qualität in unsere Wohnzimmer.
Ist das noch Unterhaltung oder schon eine Provokation?
In dieser Form als hohle Inszenierung von gekauftem Glamour sicher nicht. Ein Ball, der sich in Zeiten existenzieller Nöte so schamlos zur Schau stellt, ohne einen substanziellen Beitrag zur Linderung dieser Nöte zu leisten, hat seinen moralischen Kompass verloren. Vielleicht wäre der Opernball erst dann wieder „wertvoll“, wenn die Gage für den Stargast stattdessen 150.000 warme Mahlzeiten für Bedürftige finanzieren würde. Kultur ohne Empathie ist am Ende nur teurer Lärm.
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Andreas Schwarz
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