Lange wurde gestritten, nun ist die Entscheidung gefallen: Die Bundesregierung hat sich am 5. Februar 2026 auf eine umfassende Reform der Filmförderung geeinigt. Kernstück ist die lang geforderte Investitionspflicht für Streaming-Anbieter wie Netflix, Disney+ und Amazon Prime.

© Bild: KI generiert 2026 Kultur Online TV-FM
Bisher konnten internationale Streamer in Deutschland Milliardenumsätze erzielen, ohne verpflichtet zu sein, nennenswerte Summen in den hiesigen Produktionsmarkt zurückzugeben. Filmschaffende und Produzentenverbände warnten seit Jahren vor einem unfairen Wettbewerb, da klassische Fernsehsender bereits strengen Regeln unterliegen.
Mit dem neuen Gesetz müssen Streaming-Dienste nun einen festen Prozentsatz ihres deutschen Umsatzes in lokale und europäische Produktionen reinvestieren.
Die Eckpunkte der Reform (Stand Feb. 2026)
Investitionsquote
Anbieter werden verpflichtet, in deutsche Inhalte zu investieren. Wer sich freiwillig zu einer Quote von 12 % oder mehr verpflichtet, profitiert von weniger bürokratischen Hürden (z. B. Wegfall der Pflicht für rein deutschsprachige Produktionen).
Rechterückbehalt
Ein zentraler Sieg für die Kreativen. Die neue Regelung sieht eine „faire Rechteteilung“ vor. Das bedeutet, dass deutsche Produzenten künftig stärker an den Verwertungsrechten ihrer Werke beteiligt bleiben, statt diese komplett an die US-Plattformen abzutreten (das sogenannte „Work-for-Hire“-Modell).
Budget-Boost
Die staatliche Filmförderung wird von rund 130 Millionen auf 250 Millionen Euro jährlich fast verdoppelt.
Nicht alle jubeln. Der Digitalverband Bitkom warnt vor „Fehlanreizen“ und prognostiziert, dass die Kosten letztlich auf die Abonnenten umgelegt werden könnten. Auch die FDP innerhalb der Koalition galt lange als Bremser, stimmte dem Kompromiss jedoch zu, um den Filmstandort Deutschland im internationalen Wettbewerb (insbesondere gegenüber Ländern wie Frankreich, die bereits hohe Quoten haben) nicht zu verlieren.
Für die deutsche Filmbranche geht es um die Existenz. In einer Zeit, in der das klassische Kino kämpft und Budgets für anspruchsvolle lokale Stoffe schrumpfen, sichert die Investitionspflicht nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch die kulturelle Vielfalt. Das Gesetz soll noch vor Ostern 2026 durch den Bundestag verabschiedet werden.
In Österreich und der Schweiz ist das Thema „Investitionspflicht“ für Streaming-Giganten kein bloßes Wunschkonzert mehr, sondern bereits Realität oder in intensiver Vorbereitung. Während die Schweiz als Vorreiter gilt, kämpft die Branche in Österreich aktuell noch um die finale Umsetzung.
Hier ist der Überblick für die DACH-Region (Stand Februar 2026)
- Schweiz: Die „Lex Netflix“ liefert erste Zahlen
In der Schweiz ist das revidierte Filmgesetz bereits seit Januar 2024 in Kraft. Es gilt als eines der modernsten Modelle Europas.
Die Pflicht: Streaming-Anbieter müssen 4 % ihres Bruttoumsatzes, den sie in der Schweiz generieren, in das lokale Filmschaffen investieren.
Erste Bilanz: Im Jahr 2024 wurden so rund 30 Millionen Franken generiert. Davon profitierten bereits Großprojekte wie die historische Serie Winter Palace.
Neuerung 2026: Seit Beginn diesen Jahres hat der Bundesrat die Regeln leicht gelockert. Ab jetzt können Streamer auch Entwicklungskosten (z. B. für Drehbücher) voll anrechnen, nicht mehr nur die reine Produktion. Das soll die Branche schon in der frühen kreativen Phase stärken.
- Österreich: Warten auf den großen Wurf
In Österreich ist die Lage Anfang 2026 angespannter. Obwohl es mit ÖFI+ bereits ein attraktives Anreizmodell gibt, fordern Filmschaffende dringend die gesetzliche Verankerung einer Streaming-Abgabe.
Die Forderung: Der Dachverband der Filmschaffenden fordert eine Abgabe („Levy“), die bis zu 40 Millionen Euro jährlich einbringen könnte. Bei einer direkten Investitionspflicht (wie in der Schweiz) rechnen Experten sogar mit einem Volumen von bis zu 90 Millionen Euro.
Fazit: Die Schweiz hat gezeigt, dass die Branche durch die Pflicht-Millionen einen massiven Professionalisierungsschub erlebt. Deutschland zieht nun mit deutlich größeren Summen nach. Österreich steht unter Zugzwang, um im Wettbewerb um internationale Koproduktionen nicht den Anschluss zu verlieren.
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Beitrag: Andreas Schwarz
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