{"id":46952,"date":"2022-12-24T13:59:49","date_gmt":"2022-12-24T12:59:49","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturonline.tv\/?p=46952"},"modified":"2023-01-11T19:52:50","modified_gmt":"2023-01-11T18:52:50","slug":"oesterreichische-nationalbibliothek-erwirbt-literarischen-nachlass-von-thomas-bernhard","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturonline.tv\/de\/oesterreichische-nationalbibliothek-erwirbt-literarischen-nachlass-von-thomas-bernhard\/","title":{"rendered":"\u00d6sterreichische Nationalbibliothek erwirbt literarischen Nachlass von Thomas Bernhard"},"content":{"rendered":"\n<p>Nach jahrelangen Bem\u00fchungen ist es der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek mit Unterst\u00fctzung des BMKOES gelungen, einen der bedeutendsten deutschsprachigen Nachl\u00e4sse des 20. Jahrhunderts zu erwerben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1441\" src=\"https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Kultur-Online-TV-2-2-edited-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-46959\" srcset=\"https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Kultur-Online-TV-2-2-edited-scaled.jpg 2560w, https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Kultur-Online-TV-2-2-edited-800x450.jpg 800w, https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Kultur-Online-TV-2-2-edited-1600x900.jpg 1600w, https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Kultur-Online-TV-2-2-edited-768x432.jpg 768w, https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Kultur-Online-TV-2-2-edited-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Kultur-Online-TV-2-2-edited-2048x1152.jpg 2048w, https:\/\/kulturonline.tv\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Kultur-Online-TV-2-2-edited-600x338.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 OTS Thomas Bernhard warend einer Probe zu Heldenplatz\u00d2 am Wiener Burgtheater, 1988<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die weltweite Rezeption der Werke Thomas Bernhards und die Zahl der Inszenierungen in vielen L\u00e4ndern unterstreichen die Wirkung dieses Nachlasses: Einerseits aufgrund der Vollst\u00e4ndigkeit und Reichhaltigkeit der Materialien, andererseits durch die literarische, philosophische und politische Dimension des Werks.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Nachlass<br>Thomas Bernhards Nachlass ist nahezu vollst\u00e4ndig \u00fcberliefert, er deckt die gesamte literarische Produktion ab und liefert damit Einsicht in einen Schreibprozess, der \u00fcber Jahrzehnte kaum je ins Stocken geriet. Zu diesem Ganzen geh\u00f6ren die vielen Teile, die im Nachlass \u00fcberlieferten Fragmente und Entw\u00fcrfe. Somit bildet dieser Bestand eine unverzichtbare Materialbasis, aus der der Zusammenhang zwischen Leben und Werk, von Bernhards Schreibanf\u00e4ngen bis zu seinem Tod, deutlich wird.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch freue mich, dass der umfangreiche schriftstellerische Nachlass Thomas Bernhards, der auch die Schriften und Briefe seines Gro\u00dfvaters, Johannes Freumbichler, umfasst, an die \u00d6sterreichische Nationalbibliothek geht\u201c, so Kunst- und Kulturstaatssekret\u00e4rin Mag. Andrea Mayer. \u201eGro\u00dfer Dank gilt dem Verhandlungsteam und Dr. Peter Fabjan, der das Erbe seines Bruders mehr als drei Jahrzehnte lang professionell und mit gro\u00dfer Umsicht betreut und wesentlich zur internationalen Wirkung dieses einzigartigen Autors beigetragen hat. Der Erwerb des Nachlasses ist auch ein Auftrag: n\u00e4mlich das Werk Bernhards in seiner Entstehung zu erforschen, immer wieder aufs Neue auf seine Aktualit\u00e4t hin zu befragen und in Ausstellungen, Sonderschauen, Lesungen, Diskussionen und anderen Formaten dem literaturinteressierten Publikum zu pr\u00e4sentieren. Und es gibt keinen besseren Ort daf\u00fcr als die \u00d6sterreichische Nationalbibliothek mit ihrem Literaturarchiv im Michaelertrakt der Hofburg und dem Literaturmuseum in der Johannesgasse\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Generaldirektorin der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek, Dr. Johanna Rachinger, betont: \u201eThomas Bernhards Werk ist einzigartig in der deutschsprachigen Literatur nach 1945, es ist Teil der Weltliteratur. F\u00fcr mich ist dieser Nachlass einer der bedeutendsten Zug\u00e4nge in der Geschichte der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek. Wir sind uns der Verantwortung bewusst, diesen Bestand langfristig f\u00fcr die Forschung und die Allgemeinheit zu sichern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Nachlass umfasst s\u00e4mtliche ver\u00f6ffentlichten und unver\u00f6ffentlichten Werke sowie alle \u00fcberlieferten Korrespondenzen. Allein an unver\u00f6ffentlichten Texten sind \u00fcber 150 Titel verzeichnet, hinzu kommen Notizen und autobiografische Aufzeichnungen. Der Werk-Bestand macht knapp 30.000 Bl\u00e4tter mit Handschriften, handschriftlich korrigierten Typoskripten und Fahnenkorrekturen aus. Die Korrespondenz setzt sich aus der Familienkorrespondenz, der Verlagskorrespondenz, sowie aus Briefen von Einzelpersonen und Institutionen zusammen. Die umfangreichen Korrespondenzen mit Bernhards Verlagen, hier vor allem mit Siegfried Unseld und dem Suhrkamp Verlag, aber auch mit dem Residenz-Verlag, lassen die Entstehung und die Rezeption der B\u00fccher und Theatertexte nachzeichnen. Bernhards Verh\u00e4ltnis zu seinen Verlegern ist ebenso aufschluss- wie konfliktreich.<\/p>\n\n\n\n<p>In den insgesamt 15 Archivboxen mit Korrespondenzen finden sich Briefe von u.a. Ingeborg Bachmann, Werner Bergengruen, Heinrich B\u00f6ll, Elias Canetti, Peter Handke, Marlen Haushofer, Hans Werner Henze, Bernhard Minetti, Claus Peymann, Hilde Spiel, Siegfried Unseld oder Alice und Carl Zuckmayer. Die Korrespondenz mit Thomas Bernhards Lebensmenschen Hedwig Stavianicek nimmt was Laufzeit, Umfang und Inhalt anbelangt, eine Sonderstellung ein. Alleine dieser Briefwechsel umfasst 381 hand- und maschinenschriftliche Briefe von Thomas Bernhard und 245 Briefe von Hedwig Stavianicek. Er ist f\u00fcr die Dauer von 10 Jahre nur mit Zustimmung der Erben einsehbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Bernhard hat unabl\u00e4ssig geschrieben, korrigiert, Entw\u00fcrfe verfasst und wieder verworfen. Der Schreibprozess ist wiederholt Thema seiner Texte. Im Roman \u201eAlte Meister\u201c hei\u00dft es: \u201eDie h\u00f6chste Lust haben wir ja an den Fragmenten, wie wir am Leben ja auch dann die h\u00f6chste Lust empfinden, wenn wir es als Fragment betrachten, und wie grauenhaft ist das Ganze und ist uns im Grunde das fertige Vollkommene.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Nachlass er\u00f6ffnet vielf\u00e4ltige Perspektiven f\u00fcr Publikationen, digitale Editionen, Online-Pr\u00e4sentationen oder Veranstaltungen, um dieses einzigartige Lebenswerk einer breiten \u00d6ffentlichkeit noch zug\u00e4nglicher zu machen. Das Literaturmuseum der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek, in dessen Dauerausstellung zur \u00f6sterreichischen Literatur bereits jetzt Filme, Fotos, Briefe und Manuskripte von und zu Thomas Bernhard gezeigt werden, soll Ort f\u00fcr weitere Begegnungen mit Thomas Bernhards literarischem Verm\u00e4chtnis werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die bereits in der Anfangsphase der Bearbeitung des Nachlasses am Thomas Bernhard-Archiv in Gmunden erfolgte Einbindung des Literaturarchivs der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek ist eine Kontinuit\u00e4t in der Bearbeitung gew\u00e4hrleistet. Das Literaturarchiv beherbergt die wichtigsten literarischen Nachl\u00e4sse und Sammlungen aus \u00d6sterreich im 20. Jahrhundert, von Karl Kraus und Robert Musil \u00fcber die mit Bernhard bekannte Hilde Spiel bis zu der von ihm verehrten Ingeborg Bachmann und zu Peter Handke. In diesen Best\u00e4nden finden sich zahlreiche Bez\u00fcge zu Thomas Bernhard, kleinere Sammlungen mit Briefen, Zeichnungen und Lebensdokumenten wurden in den letzten Jahren kontinuierlich erworben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eThomas Bernhard hat einen singul\u00e4ren literarischen Kosmos geschaffen, in dem Sprache, Stil und Weltanschauung unaufl\u00f6slich ineinander verwoben sind. Der Nachlass gew\u00e4hrt Einblicke in die Werkstatt, in der Bernhards Themen wie die Verdr\u00e4ngung der nationalsozialistischen Vergangenheit und das Verh\u00e4ltnis von Geist und K\u00f6rper angesichts des Todes bearbeitet werden\u201c, so Dr. Bernhard Fetz, Direktor des Literaturarchivs und des Literaturmuseums der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek<\/p>\n\n\n\n<p>In Bernhards Autobiographie spielt die Beziehung zum Gro\u00dfvater, dem Schriftsteller Johannes Freumbichler (1881-1949), eine zentrale Rolle. \u201eDie Gro\u00dfv\u00e4ter sind die Lehrer, die eigentlichen Philosophen jedes Menschen\u201c, hei\u00dft es in \u201eEin Kind\u201c (1982). Der zeitlebens weitgehend erfolglose Schriftsteller Johannes Freumbichler kann als Modell f\u00fcr die vielen scheiternden K\u00fcnstlerfiguren und Privatgelehrten im Werk Bernhards gesehen werden. Sein 1937 im Zsolnay Verlag erschienener \u201eSalzburger Bauernroman\u201c \u201ePhilomena Ellenhub\u201c wurde zum \u201eerste(n) und einzige(n) Erfolg\u201c, wie Bernhard in \u201eEin Kind\u201c feststellt. Johannes Freumbichlers kompletter Nachlass, bestehend aus Werkmanuskripten, Korrespondenzen, Lebensdokumenten und Sammelst\u00fccken im Umfang von 44 Archivboxen wurde ebenfalls erworben.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/t.adcell.com\/p\/image?promoId=228768&amp;slotId=98564\" alt=\"Eckis Teetied\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/t.adcell.com\/p\/click?promoId=228768&amp;slotId=98564\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Werk und Wirkung<br>Kultfigur und Objekt der Bewunderung f\u00fcr seine Fans, Reibebaum f\u00fcr bereits mehrere Generationen von AutorInnen \u2013 Thomas Bernhard ist einer der international wichtigsten und meistdiskutierten Vertreter der deutschsprachigen Literatur nach 1945. Ab Mitte der 1960er-Jahre bis zu seinem Tod sorgten Werk und Person Thomas Bernhards (1931-1989) f\u00fcr st\u00e4ndig wachsendes Aufsehen. Eine Reihe von \u00f6ffentlichen Erregungen begleiteten die Rezeption seines Werks. Die \u00f6ffentlichen Attacken des Autors auf Politiker sind legend\u00e4r, ebenso wie die Anfeindungen, denen Bernhard ausgesetzt war. Die Auff\u00fchrung des St\u00fcckes \u201eHeldenplatz\u201c im Gedenkjahr 1988 wurde zu einem Pr\u00fcfstein f\u00fcr \u00d6sterreichs Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Weit \u00fcber einen engeren Kreis der Leserschaft wurde der Autor zu einer \u00f6ffentlichen Figur, eine Rolle, die Bernhard in Interviews und \u00f6ffentlichen Stellungnahmen \u00fcber Jahrzehnte virtuos einnahm.<\/p>\n\n\n\n<p>Bernhard studierte ab 1956 Schauspiel, Regie und Dramaturgie am Salzburger Mozarteum. Im Juni 1957 legte er die Reifepr\u00fcfung am Schauspielseminar ab. Das fr\u00fche Interesse an Musik und Theater zeigt sich auch an den vielen unver\u00f6ffentlichten Entw\u00fcrfen im Nachlass. Mit dem St\u00fcck \u201eEin Fest f\u00fcr Boris\u201c, das am 29. Juni 1970 unter der Regie von Claus Peymann in Hamburg uraufgef\u00fchrt wurde, begann Bernhards internationale Theaterkarriere, die Anfang der 1960er-Jahre mit kurzen Einaktern und zwei Opernlibretti zur Musik von Gerhard Lampersberg am K\u00e4rntner Tonhof eingesetzt hatte. Neben fr\u00fchen, vor allem Gerichtsreportagen f\u00fcr das Salzburger \u201eDemokratische Volksblatt\u201c (1952 bis 1954) und Lyrikb\u00e4nden (\u201eIn hora mortis\u201c, \u201eUnter dem Eisen des Mondes\u201c, beide 1958) folgten von \u201eFrost\u201c (1963) \u00fcber \u201eVerst\u00f6rung\u201c (1967) bis zu \u201eHeldenplatz\u201c (1988) eine gro\u00dfe Zahl an Prosawerken und insgesamt 18 abendf\u00fcllenden Theaterst\u00fccken, die heute zum Kernbestand der deutschsprachigen Literatur z\u00e4hlen. Das literarische Vexierspiel mit Wirklichkeit und Fiktion im Roman \u201eHolzf\u00e4llen\u201c oder in der Autobiografie (1975-1982) sorgte f\u00fcr Skandale in der \u00d6ffentlichkeit und f\u00fcr literaturtheoretische wissenschaftliche Arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wirkung des Autors l\u00e4sst sich an den zahlreichen k\u00fcnstlerischen Bearbeitungen seiner Werke ablesen, ebenso wie an den stilistischen Anleihen und direkten Bezugnahmen durch viele zeitgen\u00f6ssische Autorinnen und Autoren, vom ungarischen Nobelpreistr\u00e4ger und KZ-\u00dcberlebenden Imre Kert\u00e9sz bis zum franz\u00f6sischen Skandalautor Michel Houellebecq. Ungez\u00e4hlt sind die wissenschaftlichen Arbeiten, die auf der ganzen Welt zu Bernhards Leben und Werk entstanden. Bernhards Pr\u00e4senz belegen au\u00dferdem die zahlreichen \u00dcbersetzungen und aktuellen Theater-Inszenierungen. Es gibt sehr wenige AutorInnen, deren Werk auch Jahrzehnte nach ihrem Tod noch eine vergleichbare internationale Wirkung entfaltet.<\/p>\n\n\n\n<p>#theater #news #kultur<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/t.adcell.com\/p\/image?promoId=289301&amp;slotId=98564\" alt=\"Krimirausch \"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/t.adcell.com\/p\/click?promoId=289301&amp;slotId=98564\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach jahrelangen Bem\u00fchungen ist es der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek mit Unterst\u00fctzung des BMKOES gelungen, einen der bedeutendsten deutschsprachigen Nachl\u00e4sse des 20. Jahrhunderts zu erwerben. 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