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Wenn der Welttag des Übersetzens zum Protesttag wird

Am 30. September feierte die internationale Welt traditionell den Hieronymustag – den Schutzpatron der Übersetzerinnen und Übersetzer. Doch in diesem Jahr gab es statt Festtagsstimmung einen Weruf aus der Branche: Rund 200 Übersetzerinnen und Übersetzer nutzten den Anlass, um mit der Aktion „Uns reicht’s – Weil es nicht reicht!“ laut und deutlich auf ihre dramatische wirtschaftliche Situation aufmerksam zu machen.

Die Realität hinter den Kulissen

Literatur, Fachbücher, Verträge oder Filme – ohne Übersetzungen stünde unsere global vernetzte Welt still. Doch die Menschen, die diese kulturelle und sprachliche Brückenarbeit leisten, stehen oft vor dem wirtschaftlichen Abgrund:

Seit Jahrzehnten sind die Zeilen- und Wortpreise kaum gestiegen, während Lebenshaltungskosten, Inflation und Energiekosten drastisch gewachsen sind. Viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten unter enormem Zeitdruck, häufig ohne soziale Absicherung, Altersvorsorge oder faire Verträge.

Obwohl literarische und technische Übersetzungen ein hohes Maß an Expertise, Recherche und sprachlicher Kunstfertigkeit erfordern, wird die Arbeit oft als austauschbare Fließbandware behandelt.

Ein dringender Weckruf

Das Motto „Uns reicht’s – Weil es nicht reicht!“ bringt es auf den Punkt: Wer von seiner Arbeit nicht mehr leben kann, verliert auf Dauer die Existenzgrundlage – und damit verarmt auch die sprachliche Vielfalt unseres Kulturraums.

Es ist höchste Zeit, dass Verlage, Auftraggeber und die Öffentlichkeit Verantwortung übernehmen. Faire Honorare und wertschätzende Arbeitsbedingungen sind kein Luxus, sondern die absolute Basis für Qualität und kulturellen Austausch.

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