Kasseler Bürgerpreis für Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy

Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy erhält den Kasseler Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“. Sie werde die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung im Oktober entgegennehmen, teilte die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Bürgerpreises am Donnerstag mit.

Savoy ist Leiterin des Fachgebiets Kunstgeschichte der Moderne an der Technischen Universität Berlin. Das „Time Magazine“ zählte sie zu den 100 einflussreichsten Menschen des Jahres 2021.

Die Kunsthistorikerin gilt als eine der maßgeblichen Stimmen auf dem Gebiet der Restitutionsdebatte und der Dekolonisierung europäischer Museen. Ihr Austritt aus dem Beirat des Berliner Humboldt Forums 2017 als Protest gegen die fehlende Klarheit über die Herkunft der für die Ausstellung geplanten ethnologischen Objekte schlug hohe Wellen.

„Wir werden den Preis einer Visionärin übergeben, die ins Herz der Kolonialgeschichte vorgestoßen ist und gleichzeitig Wege aufgezeigt hat, kulturelle Beziehungen auf Augenhöhe zu leben“, sagte Bernd Leifeld, Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Bürgerpreises, laut Mitteilung.

Savoy habe gegen erhebliche Widerstände den Finger in die Wunde des oft verschwiegenen oder verharmlosten Kunstraubs in der Kolonialzeit gelegt und als Wissenschafterin eine Diskussion geprägt, die den Umgang der Museen, auch der in Deutschland, mit ihren Beständen aus der Kolonialzeit verändern werde. Sie bringe damit ein überfälliges Umdenken im Umgang mit den eigenen kolonialen Geschichten maßgeblich voran.

„Das Glas der Vernunft“ wurde 1990 von Kasseler Bürgern als Auszeichnung gestiftet. Vergeben wird die Auszeichnung an Menschen, die sich in besonderem Maße um Aufklärung, Vernunft und Toleranz verdient gemacht haben. Zu den Preisträgern früherer Jahre gehören der Whistleblower Edward Snowden und Joachim Gauck. 2021 hatte der deutsche Zweig der globalen Journalisten-Organisation Reporter ohne Grenzen den Kasseler Bürgerpreis erhalten.

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