Das Coming-of-Age-Drama entwirft ein emotionales und ungeschöntes Bild eines jugendlichen Coming-outs im gutbürgerlichen Milieu.
Unsere Rezension
Bewertung: ★★★★☆ (4 von 5 Sternen)
Ein peinigend ehrlicher Blick auf Scheinliberalismus und Selbstfindung

Aus der Haut hebt sich von typischen Coming-out-Formaten ab, indem er den Fokus nicht nur auf den Jugendlichen richtet, sondern die emotionale Überforderung der gesamten Familie beleuchtet.
Der 17-jährige Milan (Merlin Rose) steckt mitten im Chaos der Pubertät. Seine Beziehung mit seiner Freundin fühlt sich falsch an, denn seine wahren Gefühle gehören seinem besten Freund Christoph (Leonard Proxauf). Als ein Annäherungsversuch fehlschlägt und die Zurückweisung Milan in eine tiefe Krise stürzt, gipfelt die innere Zerrissenheit in einem Autounfall unter Alkoholeinfluss.
Der Vorfall zwingt nicht nur Milan dazu, sich seiner Identität zu stellen, sondern bringt auch das Fassade haltende Leben seiner Eltern Susann (Claudia Michelsen) und Gustav (Johann von Bülow) ins Wanken. Aus der Haut erzählt spürbar nah an den Figuren vom schmerzhaften Prozess des Erwachsenwerdens und der brüchigen Dynamik innerhalb einer Familie.
- Eindringliches Schauspiel: Merlin Rose trägt den Film mit einer spürbaren Rohheit und Intensität. Die Verzweiflung seiner Figur wirkt in jeder Phase greifbar. Auch Claudia Michelsen und Johann von Bülow überzeugen als Eltern, die an ihrem eigenen Anspruch der Toleranz scheitern.
- Entlarvung von Scheinliberalismus: Der Film zeigt treffsicher, wie groß die Lücke zwischen theoretischer Weltoffenheit und dem praktischen Umgang mit Homosexualität im eigenen Umfeld sein kann.
- Nahbare Kameraführung: Die Kamera arbeitet mit vielen engen Einstellungen (Close-ups), was ein hohes Maß an Intimität erzeugt und den Zuschauer direkt an den emotionalen Druck der Protagonisten bindet.
Schwächen
- Überfrachteter Plot: Um den Konflikt zu steigern, werden neben dem Coming-out auch Ehekrise, Seitensprünge und Mobbing verhandelt. Das führt dazu, dass einzelne Subplots im letzten Drittel etwas gedrängt oder leicht konstruiert wirken.
Fazit
Ein stark besetztes, emotionales Drama, das ohne Kitsch auskommt und die Komplexität eines Coming-outs für den Jugendlichen sowie sein Umfeld ungeschönt einfängt. Ein sehenswerter Beitrag des deutschsprachigen Queer Cinema.

Kultur Online TV Redaktion: myScreenGuide











