Nach den internationalen Erfolgen von Girl und Close wendet sich der belgische Regisseur Lukas Dhont einem historischen Sujet zu: Das Drama führt an die flämische Front des Ersten Weltkriegs.
Unsere Rezension
Bewertung: ★★★★☆ (4 von 5 Sternen)
Kinostart: 31.Dezember 2026
Ein visuell gewaltiges Epos über Zärtlichkeit im Ausnahmezustand
Lukas Dhont beweist mit Coward erneut sein außergewöhnliches Gespür für die Verletzlichkeit männlicher Identität. Den Kontrast zwischen historischem Kriegsfilm und intimer Charakterstudie nutzt er für ein visuell berauschendes Drama.
Im Mittelpunkt steht der junge Soldat Pierre, der im Schlamm und Not der Schützengräben mit den Grausamkeiten des Krieges ringt. Eine unerwartete Wendung nimmt sein Alltag durch die Begegnung mit Francis, einem charismatischen Soldaten, der beauftragt ist, mit Theateraufführungen und Revuen die Moral der Truppe aufrechtzuerhalten. Zwischen der rohen Gewalt des Krieges und der artifiziellen Leichtigkeit der Bühne entwickelt sich eine tiefe, zärtliche Dynamik, die beide Männer an die Grenzen von Pflichtgefühl, Überlebenstrieb und eigenen Gefühlen bringt.
Stärken
- Feinfühlige Regie & Bildsprache: Dhont inszeniert die Härte der Schützengräben nicht als reinen Selbstzweck, sondern als spürbaren Gegenpol zur emotionalen Zuflucht, die das Theater bietet. Die Lichtregie und die Kameraführung fangen die Blicke und feinen Gesten zwischen den Hauptdarstellern mit enormer Intimität ein.
- Starke Darstellerleistungen: Die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren trägt den Film mühelos. Besonders die Darstellung des inneren Konflikts – die Angst vor dem Urteil der Kameraden bei gleichzeitiger Sehnsucht nach Nähe – wirkt tief bewegend.
- Vielschichtige Themen: Der Film verhandelt Fragen von Mut und vermeintlicher „Feigheit“ (wie der Titel andeutet) auf eine Art, die toxische Männlichkeitsmuster im Militärkontext entlarvt.
Schwächen
- Gelegentlich hoher Pathos: In einigen dramatischen Schlüsselmomenten neigt die Inszenierung durch den musikalischen Einsatz zu einer leicht übersteigerten Dramatik, die der sonst so subtilen Erzählung nicht zwingend nötig getan hätte.
Fazit
Coward ist ein visuell eindringliches und emotional berührendes Werk des modernen Queer Cinema. Lukas Dhont gelingt der Balanceakt zwischen historischem Drama und zärtlicher Liebesgeschichte – ein würdiger Nachfolger seiner bisherigen Arbeiten.

Kultur Online TV Redaktion: myScreenGuide











