Die italienische Regie-Arbeit der Brüder D’Innocenzo blickt feinfühlig und beklemmend auf den moralischen Verfall und die verborgenen Abgründe in einer scheinbar intakten Vorstadtsiedlung am Rande Roms.
Verfügbarkeit in der ARD Mediathek bis 13.Jänner 2027
Rezension
Bewertung: ★★★★☆ (4 von 5 Sternen)
Ein drückend heißer, ästhetisch kompromissloser Blick hinter die bürgerlichen Fassaden einer unheilvollen Vorstadt
Die Regisseure inszenieren das Drama mit großer visueller Wucht und einem feinen Gespür für die schleichende Entfremdung und unterdrückte Aggression innerhalb der Familien.
Der Film führt in einen glühend heißen Sommer in einem Vorort Roms, wo die Bewohner in gepflegten Häusern und Gärten äußerlich ein ruhiges, normales Leben führen. Doch die sommerliche Leichtigkeit ist von einer rätselhaften Beklommenheit durchzogen. Während die Väter ihre Aggressionen mühsam bändigen und die Mütter in Passivität verharren, klammern sich die Erwachsenen stur an die Illusion ihres bürgerlichen Lebens. Die Kinder spielen den ihnen zugedachten Part nur anfangs mit: Im Verborgenen verfolgen sie konsequent eigene, dunkle Pläne – bis sie den Ort schließlich in seinen Grundfesten erschüttern.
Stärken
Starkes Ensemble: Vor allem die jugendlichen Darsteller überzeugen mit einer unheimlichen Entschlossenheit und eiskaltem Kalkül, das im starken Kontrast zur Ignoranz der Erwachsenen steht.
Dichte visuelle Atmosphäre: Die fahle Sommerhitze und die sorgfältig komponierten Bilder erzeugen eine bleierne Glocke der Beklommenheit, die unmittelbar auf den Zuschauer übergeht.
Kompromisslose Gesellschaftskritik: Das Skript entlarvt die Scheinheiligkeit und emotionale Kälte einer vermeintlichen Idylle zynisch und scharfsichtig.
Schwächen
Schwere Kost: Das hohe Maß an Passivität, unterdrückter Gewalt und der durchgehende Ton der Beklommenheit erfordern Geduld und sind schwer verdaulich.
Fazit
Ein rundum gelungener, wenn auch zutiefst verstörender Film für Liebhaber anspruchsvoller, atmosphärischer Dramen und gesellschaftskritischer Stoffe. Das Werk hinterlässt eine bleibende Beklemmung und hallt lange nach.

Kultur Online Tv Redaktion:myScreenGuide











