Futur Drei

Das preisgekrönte Regiedebüt von Faraz Shariat bringt frischen Wind in das deutsche Gegenwartskino. Der Film verwebt Coming-of-Age, queeres Begehren und Migrationserfahrung zu einem visuellen und emotionalen Statement.

Rezension (Filmkritik)

Bewertung: ★★★★☆ (4,5 von 5 Sternen)

Ein stilstarkes, politisches und zärtliches Manifest der Gegenwart

Futur Drei bricht radikal mit den Sehgewohnheiten des klassischen deutschen Betroffenheitskinos. Shariat und das Kollektiv Jünglinge erzählen nicht über, sondern aus der Perspektive einer jungen, diversen Generation.

Der junge Parvis (Benjamin Radjaipour) wächst als Sohn iranischer Einwanderer im niedersächsischen Hildesheim auf. Sein Alltag pendelt zwischen Popkultur, Grindr-Dates und Partynächten. Nach einem Ladendiebstahl muss er Sozialstunden in einer Unterkunft für Geflüchtete leisten. Dort trifft er auf das Geschwisterpaar Amon (Eidin Jalali) und Banafshe (Banafshe Hourmazdi), die aus dem Iran geflohen sind und um ihr Bleiberecht bangen. Zwischen Parvis und Amon entsteht rasch eine intensive Anziehungskraft. Doch während Parvis die relative Sicherheit eines deutschen Passinhabers genießt, schwebt über den Geschwistern die ständige Bedrohung der Abschiebung.

Stärken

  • Visuelle Brillanz: Die Kameraarbeit von Simon Vu zeichnet sich durch satte Farben, 4:3-Bildformat-Passagen und poetische Kompositionen aus. Der Film nutzt Ästhetik nicht als Selbstzweck, sondern als Ausdruck von Lebensgefühl und Identität.
  • Authentisches Spiel: Das Hauptdarsteller-Trio agiert mit einer mitreißenden Selbstverständlichkeit. Die Chemie zwischen Benjamin Radjaipour und Eidin Jalali ist von einer rohen, ehrlichen Zärtlichkeit geprägt.
  • Vielschichtige Themenverknüpfung: Dem Film gelingt der Balanceakt, queere Romantik mit hartem Asylrecht und dem Gefühl der Zugehörigkeit („Heimat“) zu verbinden, ohne dabei lehrhaft zu wirken.

Schwächen

  • Stilistische Distanzierung: Die stilisierte Bildsprache und der episodische Erzählrhythmus schaffen an wenigen Stellen eine leichte emotionale Distanz zu den Figuren, was das Erzähltempo im mittleren Drittel kurzzeitig bremst.

Fazit

Ein kraftvolles, modernes Meisterwerk des deutschen Queer Cinema. Futur Drei überzeugt durch visuellen Mut, starke Performances und einen unkonventionellen Blick auf das Deutschland der Gegenwart.

Kultur Online TV Redaktion: myScreenGUide

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